
Vitus Albertin ist 1954 in Zürich geboren und
besuchte die Kunstgewerbeschule in Zürich. Seine
Bilder malt er vorwiegend
mit Acryl auf Baumwolle,
resp. auf Leinwand.

Es gibt den Punkt, wo Erlebnisse sich in Erinnerung, Erfahrung und
Gefühl aufspalten. Jedermann kennt
ihn und dennoch ist er nicht greifbar. Erst hinterher, aus der Betrachtung merkt man, dass man einen
solchen überschritten hat.
Am auffälligsten dann, wenn uns ein vertrauter
Geruch in die Nase kommt
und man sich augenblicklich – beispielsweise – an kindliche Geborgenheit erinnert fühlt. Konkrete
Erlebnisse dazu könnte man aber kaum benennen. Der Schauer eines solchen Momentes fühlt sich an,
als ob sich eine weiche Decke über einen ausbreitet, eine Decke, die aus verschwommenen Erinnerung
gewoben ist, dem Gemüt schmeichelt und sich doch dem Zugriffe der Sinne entzieht.
Aber nicht nur
Gerüche, auch Kombinationen von Licht, Farben, Formen und Wetter, Klängen, Stimmen und Worten
können vergleichbare Stimmungen wecken.

Die Aufgabe der Kunst ist es, solche Momente zu
provozieren, sie
eben „künst“-lich zu erzeugen. So
verstandene Kunst setzt also die
aktive Mitwirkung
des Betrachters voraus, denn letztlich vollzieht sich
der beschriebene Effekt, Eindrücke zu Emotionen
umzuformen, im Akt
der Rezeption; der Betrachter
wird ebenfalls zum Künstler.
Das ist nun durchaus theoretisch und tönt danach, als
liesse sich alles vorhersehbar erklären. Letzteres trifft
natürlich nicht zu, sonst wäre es buchstäblich keine
Kunst mehr. Damit das Kunstwerk gelingt, muss der
Künstler schon den richtigen Ton treffen, er muss dem
Betrachter förmlich in die Seele malen.
Vitus Albertin
gelingt dies mit seiner ganz persönlichen Technik.
Er
vermag auf der Leinwand Stimmungen zu erzeugen, in
denen man
sich als Betrachter wiederfindet und sich spiegeln kann. Manchem sind Vitus Albertins
Bilder eine Art Übersetzungshilfe für die eigenen Erfahrungen.
Der Betrachter liest sich in den Bildern
selbst, sie entfachen intime
innere Monologe und stacheln die Phantasie an, damit man sich zu den
eigenen Erfahrungen immer neue Geschichten ausdenkt. Vitus Albertin sorgt mit seiner Kunst für
besagten Schauer, den einen überkommt,
wenn man sich vom diffusen Wesen der eigenen Erfahrungen
betasten lässt.
Text: Dominik Hug
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